Fastenzeit
Das heißt oft erst einmal: verzichten. Meine Mutter hat meinen Bruder früher an Aschermittwoch gefragt: Auf was verzichtet ihr denn in diesem Jahr?
In der Regel lautete unsere Antwort: „Auf Süßigkeiten“ Mittlerweile sind es dann eher Dinge, wie: süße Getränke, alkoholische Getränke, Fastfood, das Handy oder ähnliches. Na gut – vielleicht auch nicht ganz verzichten. Aber wenigstens ein bisschen weniger.
Doch dann taucht schnell die Frage in meinem Kopf auf: Warum eigentlich?
Für wen verzichte ich? Für mich? Aber wenn ich ehrlich bin, dann will ich das doch gar nicht…
Und vielleicht liegt genau da der Kern der Fastenzeit.
Es geht nicht darum, sich etwas „wegzunehmen“, nur um durchzuhalten, besonders diszipliniert zu sein oder Mama etwas zu beweisen. Fasten ist keine Prüfung und auch kein Wettbewerb, bei dem es darum geht, anderen oder einem selbst etwas zu beweisen. Vielmehr ist es eine Einladung, kurz stehen zu bleiben und ehrlich hinzuschauen.
Bin ich zufrieden mit dem, was ich habe? Bin ich zufrieden mit mir selbst?
Fasten kann helfen, diese Fragen bewusster wahrzunehmen. Nicht, weil weniger automatisch besser ist, sondern weil Abstand manchmal hilft den Blick zu schärfen. Weil wir merken, was uns wirklich guttut, was uns fehlt oder was uns vielleicht unnötig antreibt.
Und was ist mit Gott? Ist Gott auch zufrieden, wenn ich nicht faste?
Vielleicht ist die wichtigere Frage: Glauben wir wirklich, dass Gottes Zufriedenheit von unserer Leistung abhängt?
Fastenzeit bedeutet nicht, Gott etwas zu beweisen. Gott braucht unseren Verzicht nicht. Aber vielleicht brauchen wir diese Zeit, um freier zu werden, achtsamer, ehrlicher mit uns selbst.
Nicht Perfektion ist entscheidend. Sondern die Haltung.
Vielleicht reicht es schon, sich auf den Weg zu machen. Mit Fragen. Mit Zweifeln. Mit kleinen Schritten.
Auch das kann Fastenzeit sein.
Philip Bach Mitarbeiter in der KJA Wuppertal
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